Walter Schoger

Dr. phil. Walter Schoger, Jahrgang 1961, ist Experte für das Begleiten von Lern-und Verände­rungsprozessen, Inhaber von comweit und Entwickler des comformers. Er ist Diplom-Soziologe, Diplom-Pädagoge, Diplom-Sozialpädagoge (FH) mit diversen Aus- und Weiterbildungen im Feld von Therapie, Coaching, Moderation und Wei­terbildung. Nach ersten beruflichen Erfahrungen als Sozialpädagoge in sozialen Brennpunkten arbeitete er mit am Arbeitsmarkt Benachteiligten. An der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wirkte er an der Ausbildung von Diplom-Pädagogen im Studienschwerpunkt Erwachsenenbildung/Andragogik mit und promovierte zu einer Grundfrage der Disziplin. Seit 2001 ist er selbstständig als Coach, Prozessbegleiter, Trainer und Trainer-Trainer. Er berät und begleitet Unternehmen bei der Optimierung ihrer internen Kommunikation und Kooperation durch Trainings, Coachings und comformings. Er war Dozent und Prüfungsausschussmitglied an der IHK-Oberfranken, Initiator und Begleiter des Anforderungsprofils für bayerische IHKn. Er hat Lehraufträge an der Hochschule Coburg im Studiengang Versicherungswirtschaft, hält Vorträge und publiziert im Feld von Weiterbildung, Lernen und Coaching. 

Weitere Informationen:

www.comweit.com
www.comformer.de

 

Nachhaltigkeit als Herausforderung

Für mich ist „Nachhaltigkeit“ eng mit dem Wunsch verbunden, dass meine Kinder und deren Kinder in einer liebens- und lebenswerten Welt leben dürfen. Insofern ist Nachhaltigkeit eine Aufforderung zur Verantwortung, einer Verantwortung, die allerdings zunehmend schwerer wiegt. Unsere Welt wird immer komplexer und dynamischer. Sie wird unübersichtlicher und verunsichert zunehmend. Bislang erprobte Denk- und Handlungsstrategien werden im Kleinen wie im Großen fragwürdig. Unser Tun erzeugt neben den gewollten Wirkungen immer mehr Neben-Wirkungen und Risiken, die in ihrem Ausmaß und ihrer wechselseitigen Verkoppelung oft schwer einschätzbar sind. 

Die Risiken der Atomtechnologie oder die Klimafolgen eines ungebremsten Schadstoffausstoßes bedrohen unsere Umwelt. Weltweite Krisenherde, Epidemien und kriegerische Auseinandersetzungen beherrschen die Schlagzeilen. Die demographischen Verwerfungen seit dem sogenannten Pillenknick verursachten schwerwiegende Deckungslücken bei der Altersversorgung und einen weiter wachsenden Facharbeitermangel. In einigen Jahren werden wir mit den Auswirkungen ungebremster Agglomeration zu kämpfen haben. 


Nachhaltigkeit als Denk-Haltung

Für mich sind dies Beispiele für eine unausgewogene Denk-Haltung, dafür, dass inadäquat mit unserer dicht vernetzten Um- und Mit-Welt umgegangen wird. Interessen, Ziele und Renditen werden kurzsichtig verfolgt. Diese Denkungsart ist schnell und meist zielführend. Dafür werden Interaktionspartner und Hintergrundbedingungen, mögliche „Nebenwirkungen“ und Spätfolgen ausgeblendet – und, wie sich später an den Folgen (der vorher gefeierten Erfolge) zeigt, sträflich vernachlässigt.

Mit dem Eintreten für Nachhaltigkeit wird der ambitionierte Versuch unternommen, in diesem undurchsichtigen Wechselspiel von Interessen, Ressourcen und Prozessen werthaltig und werterhaltend zu agieren. Eine immens (ge)wichtige und im größeren Kontext betrachtet - wohl eher Frustration auslösende Aufgabe.

Mir geht es um bewussteres Handeln, vor allem um greifbare Auswirkungen und um die innere Grundhaltung, etwas bewirken zu können. Mit anderen Worten: Es geht mir um erlebte Selbstwirksamkeit und auf lange Sicht um das (Wieder)Entdecken persönlicher Verantwortlichkeit und das Nutzen von Gestaltungsmöglichkeiten!

Daher verstehe ich Nachhaltigkeit heute (!) als eine ernsthafte Absichtserklärung und eine Denkhaltung, die sich an einer psychischen, sozialen und ökologischen Integrität orientiert und die sich im Alltag durch Entscheidungen und Handlungen artikuliert. Wichtig sind mir dabei bewusste, wertgeleitete kleine Schritte, die überzeugt gegangen werden. Idealerweise sind diese so dimensioniert, dass sie zum Weitergehen motivieren - und vielleicht sogar die einen oder anderen zum Nachahmen ermutigen... Ich vertraue auf das Kleine, darauf, dass jeder von uns "vor seiner Haustüre kehren" kann und soll.

Ich mag beeindruckende Visionen! Letztlich aber sind mir die Schritte lieber, die tatsächlich gegangen werden - und mögen sie noch so klein sein. Es geht mir um ein respektvoll-wertschätzendes Bewusst-Sein, um das Einüben und Kultivieren von etwas mehr Breit- und Weitsicht und um verantwortungsvolles Handeln.

Durch dieses bewusste Gehen von kleinen Schritten kann sehr viel erreicht werden – im Bewusstsein wie im Ergebnis. Einzelne übernehmen etwas mehr Verantwortung, ohne sich zu übernehmen oder von dem schwer wiegenden Label „Nachhaltigkeit“ erdrücken zu lassen. So werden Qualitätsversprechen vermieden, die nicht eingehalten werden können.

Auf dem Weg zu nachhaltiger WIRkung

Die Arbeitsschwerpunkte von comweit sind Kommunikation, Kooperation, Führung und Weiterbildung. Im Kern geht es um das professionelle und minimalinvasive Begleiten von Veränderungs- und Lernprozessen gemäß den Leitsätzen: „Menschen zusammen führen“ und „So viel Intervention wie nötig und so wenig wie möglich.“

Vor diesem Hintergrund und aufgrund ganz konkreter Frage- und Problemstellungen, die durch herkömmliche Methoden nicht befriedigend gelöst werden konnten, entwickelte ich ein neues Tool, den comformer®. Mit dem comformer®, einer Kombination aus speziellen Seilen, Ringen und handelsüblichen Moderationskarten, kann die Form von Kommunikation sicht- und spürbar gemacht und leicht umgestaltet werden. Im comforming können nachhaltige Strukturentwicklungen angeregt werden, etwa im Feld der Team- und Strategieentwicklung, der Entscheidungsfindung und Prozessoptimierung. Bei der Entwicklung habe ich vor allem auf Funktionalität, leichte Anwendbarkeit, einen hohen Aufforderungscharakter, geringes Gewicht sowie eine möglichst lange Nutzbarkeit Wert gelegt.

Mit dem comformer® kann die Struktur von Kommunikations- und Kooperationsprozessen in ihrer Relativität re-konstruiert und im Wortsinn be-griffen und gespürt werden. Er ist so etwas wie eine lebendige Mindmap zum Anfassen, die neben Beziehungsinhalten auch die in Strukturen und Prozessen wirkenden Kräfte erlebbar macht. Das Ausbalancieren dieser Kräfte und das kooperative Gestalten von comforms, der mit dem comformer entwickelten Strukturanalogien, führt zu "runden" Ergebnissen. Sie werden inter-aktiv abgestimmt, von den Beteiligten akzeptiert und verantwortet. Alle Beteiligten werden ins Boot geholt, erleben ihre wechselseitige Vernetzung und spüren die in ihren Strukturen wirkenden Beziehungskräfte. Sie erleben Prozess- und Strukturtransparenz, erkennen ihre Wirk-Anteile und Einflussmöglichkeiten.

Durch ein vertieftes Struktur- und Prozessbewusstsein können Teams und Abteilungen ihre Performance und Zusammenarbeit deutlich verbessern. Sie erkennen und be-greifen, wo in Entscheidungen, Strategien, Projekten und Prozessen - oder der alltäglichen Zusammenarbeit - neuralgische Punkte, Synergien und Potenziale für Veränderungen liegen. Sie erleben sich im Wortsinn eingebunden in die fokussierten Strukturen und Prozesse, sehen und spüren ihre Wechselwirkungen, vor allem aber ihre Wirk- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Im comforming entwickelte und gemeinsam aufeinander abgestimmte Strukturen "funktionieren" leichter, sind ausbalancierter, weniger störanfällig und zielführender. Der Nachhaltigkeitsaspekt liegt hier insbesondere in der Art und Weise des Vorgehens und dessen Ergebnis: Ich nenne es WIRkung. Das comforming wirkt zielführend, ökologisch, nachhaltig - und wird als ein echter Wettbewerbsvorteil beschrieben und wahrgenommen. Es führt regelmäßig vor Augen, dass es sich lohnt, eingefahrene Muster und Engführungen im Denken und Handeln zu überprüfen und durch das Einbinden Vieler, mit ein bisschen mehr Breit- und Weitsicht anzureichern. Außerdem ist es ist ein gutes Gefühl, anderen dazu zu verhelfen, ihre Prozesssouveränität und Gestaltungsmöglichkeiten wieder wahrzunehmen.

Stand: November 2014