Nicole Rupp

Nicole Rupp, Jahrgang 1972, quittierte ihre gesicherte Anstellung im öffentlichen Dienst früh, um sich in der freien Wirtschaft weiterzuentwickeln. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre in München und sammelte 3 Jahre Erfahrung im Ausland, in den USA, Asien und Südamerika. So war sie ISO-9000-Repräsentantin für ein deutsches Unternehmen in Thailand  und unterstützte in Costa Rica den Aufbau einer Stiftung  zu Stärkung des Ökotourismus, nachdem der Einbruch der Branche zum massiven Abholzen des Regenwaldes geführt hatte. Zurück in München macht sie sich als unabhängige Finanzberaterin selbständig. Mit der Erkenntnis,  dass die richtige Einstellung zu Geld entscheiden ist für gesundes finanzielles Wachstum und persönliches Glück, absolviert sie eine Weiterbildung zum systemischen Coach und etabliert ab 2002 ihre Marke geldbeziehung®. Ihre Coachings, Seminare, Vorträge und Bücher (u.a. „Wer spart, verliert! Glück und Geld ins Leben holen“) dienen dazu, die eigene Beziehung zu Geld zu verbessern und Klarheit zu den eigenen Lebenswerten zu gewinnen. Gesundes finanzielles Wachstum zum Wohle von Mensch und Natur ist ihr Herzensanliegen.

Seit 2012 ist sie Vorstandsmitglied von Geld mit Sinn! e.V., der sich für finanzielle Bildung und Nachhaltigkeit in der Geldanlage einsetzt.  Mit  ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt sie in der Nähe von München.

Weiterführende Informationen:
www.geldbeziehung.de
www.geldmitsinn.de

 

„Wer spart, verliert“

Interview mit Nicole Rupp

In Ihrem Buch „Wer spart, verliert" rechnen Sie nicht mit Banken oder Politik ab, sondern starten einen Weckruf zur persönlichen Einstellungs- und Verhaltensänderung.  Warum ist das - auch gerade unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit - wichtig?

Indem wir als Verbraucher wahllos konsumieren, nur weil es gerade billig und scheinbar sparsam ist, vermüllen wir unnötig und unachtsam den Wert, der unser aller Lebensgrundlage ist: unsere intakte Natur und Umwelt. Auf Einsparungen konzentriert  nehmen wir den Verlust guter Unternehmen in Kauf, die für Qualitätsprodukte qualitativ höherwertige und besser bezahlte Arbeitsplätze bieten, die ökologische wie soziale Faktoren bei ihrer Produktion einbeziehen. Indem wir den Händler unseres bisherigen Vertrauens in der eigenen Region aus Spargründen meiden, tragen wir bereitwillig unser Geld zu den Ketten, die die gleichen Produkte etwas günstiger anbieten. Dadurch entziehen  wir es dem regionalen Geldkreislauf und „sparen“ es auf die wenigen ohnehin prall gefüllten Konten dieser Ketten. Wir selbst tragen damit zu dem ungesunden, stetig wachsenden finanziellen Ungleichgewicht bei.

Während wir zunehmend das Geld zu sparen, welches wir anderen Menschen für Leistungen oder Produkte zu geben bereit sind, sparen wir an unserer Wertschätzung. Wir empfinden weniger Wertschätzung für diesen Wert und die dazu gehörige menschliche Leistung. Damit geben real weniger Wertschätzung weiter, so dass jemand anders weniger Wertschätzung bzw.  eine entsprechende Geringerschätzung erfährt. Wir verlieren den Blick für stabile Werte und kaufen kurzfristig orientiert billigen Kram, entsorgen schneller und haben damit immer weniger bleibende Dinge, die im Wert steigen.  Wir sparen uns arm. Finanziell und emotional. In dem fatalen Glauben an „Gewinne durch Einsparungen“ verlieren vor allem das gesunde nachhaltige Wachstum aus den Augen, das schon längst möglich wäre - mit einem klaren Fokus und der Wertschätzung für das, was wir wirklich in unserem Leben haben und vermehren wollen.

Stabiles Wachstum setzt voraus, dass wir sinnvoll und wertorientiert investieren.  Das Buch ist ein Beitrag für einen wertschätzenden Umgang mit Geld - in jeder Beziehung. Wir können für Geld Mensch und Natur ausbeuten. Oder Geld so einsetzen, dass es für Mensch und Natur arbeitet. Es liegt in unserer Verantwortung. Dazu möchte ich inspirieren, Lust machen und aktiv beitragen.... Geld ist stets, das was wir daraus machen!

Warum ist eine bewusste Beziehung zu Geld so wichtig? 

Weil jeder Mensch verantwortlich ist für die Entwicklungen, die in seinem Leben und aus seinem Umgang mit Geld entstehen.  Unsere Beziehung zu Geld bestimmt unsere finanzielle Realität und Lebensqualität. Denn unsere Gedanken haben Einfluss auf unsere Gefühle diese beeinflussen unsere Handlungen. Gesundes Wachstum setzt also gesundem Denken und Handeln voraus. Doch gerade in Bezug auf Geld leisten wir uns fragwürdige Überzeugungen und verkennen, dass Geld hochgradig emotional besetzt ist. Fakt ist: unsere Gefühle leiten uns. Nehmen wir beispielsweise „Angst“. Wie schon der Volksmund weiß, ist Angst ein schlechter Ratgeber. So auch mit Geld. Aus Ängsten heraus treffen Menschen unsichere und unklare Entscheidungen und bewirken damit allenfalls genau das, was sie fürchten.

Dies ist auch an unserer gesellschaftlichen Dynamik sichtbar. Die meisten Menschen kaufen ja nicht aus Überzeugung „billig“, sondern aus Angst vor dem Mangel, dass es nicht reicht, nicht genug ist oder später einmal nicht genug sein könnte. Und so investieren sie in billige Güter, die in kürzester Zeit an Wert verlieren, tragen dazu bei, dass die Arbeitsplatzqualität schwindet, Arbeitsplätze reduziert oder ganze Produktionen wegen der gewünschten billigeren Produkte ins Ausland verlagert werden. In Konsequenz tragen sie aus der Angst vor dem Mangel überhaupt erst zu dem befürchteten Mangel bei. Angst ist der Nährboden für unseren Geiz und unsere Gier. Die eigene Beziehung zu Geld von negativem Ballast zu befreien, bereichert - emotional, wie finanziell. Nachhaltiges Wachstum wird nicht losgelöst von menschlichem Wachstum stattfinden können, sondern immer von starken Personen getragen. Von Menschen mit innerer Klarheit, innerer Stärke und gesunder Wertschätzung.

Diese bereiten gerne und aus Überzeugung den Boden für Generationen nach uns.

Vor dem Hintergrund der stetig steigenden Anzahl verschuldeter Haushalte in Deutschland:  wie baut man eine nachhaltige Beziehung zum Geld auf?

Geld zeigt ungeschminkt schwarz auf weiß, wie es um unsere finanzielle Basis steht. Doch gerade wenn es eng wird, schauen viele gerne weg, verlieren den Überblick, hoffen auf Verbesserung und verschieben die Problemlösung in die Zukunft. Anstatt umso genauer hinzusehen, die Ursache zu ergründen und verantwortungsvoll Lösungsschritte zu entwickeln. Eine nachhaltige Beziehung zu Geld basiert darauf, dass man seine Motive und Werte kennt. Mit gesundem Selbstwertgefühl und dem Wissen, wer wir sind und wofür wir stehen, genießen wir mehr Sicherheit und auch eine gewisse Gelassenheit. So kaufen wir nur das, was wirklich zu uns passt, ohne uns Abzustrampeln, um anderen etwas zu beweisen oder verzweifelt den lieben Schein zu wahren. Viele Menschen, die sich schleichend durch Konsum verschulden, setzen sich erst gar nicht mit Ihren Werten auseinander und sind damit umso anfälliger für die Verführungen der Werbung oder dafür, andere zu beeindrucken und sich Dinge zu leisten, die man sich eigentlich nicht leisten kann.

Ganz banal möglichst viel bar zu bezahlen bewirkt, dass wir wieder begreifen und erfassen, wie schnell unser Geld kommt und geht. Die Bequemlichkeit der Kartenzahlung führt dagegen dazu, dass dieser Bezug verloren geht. So werden Dinge per Karte gekauft, über deren Preis man sich erst im Nachhinein ärgert oder gar wundert, dass weniger Geld auf dem Konto ist, als gedacht... Der Bezug geht verloren. Ein Phänomen, welches uns auf vielen Ebenen mit Geld begegnet. Wir kaufen Dinge in der Hoffnung, dass sie uns mehr Glück bescheren, während wir den Bezug zu dem verloren haben, was uns wirklich glücklich und innerlich reich macht. Wir arbeiten, um mehr und mehr Geld zu verdienen, ohne zu wissen, wozu es uns in unserem Leben wirklich dient. Wir gehen über unsere gesunden körperlichen und emotionalen Grenzen und brennen dabei aus. Wir wundern uns über die steigende Zahl an „Burn-out“, während wir weiter nach einer Art „Buy-out“-Mentalität leben. Wir kaufen lieber in anonymen Ketten ein, statt in kleinen feinen Geschäften, in denen wir die Menschen persönlich kennen. Wir investieren wertvolle Lebenszeit, um in entlegenen Gewerbegebieten und seelenlosen Hallen einzukaufen, in denen es an Wertschätzung für Menschen, Kunden, Mitarbeiter oder Umwelt völlig fehlt; oft genug fehlen bereits die Mitarbeiter, wenn man mal einen bräuchte. Unseren Produkten messen wir ihren Wert bei. Nur der Mensch und der Erhalt unserer Natur darf nichts kosten und muss sich rechnen.

Entschleunigen ist auch hier ratsam für die gesunde nachhaltige Entwicklung. Wir brauchen nicht alles gleich und sofort, sondern dürfen uns auch freiwillig mal wieder den Genuss gönnen auf etwas hin zu sparen, die Vorfreude darauf genießen, um mit etwas mehr Geduld und noch mehr Stolz und Dankbarkeit die ersehnte Investition zu tätigen. Ebenso dürfen wir wieder lernen unsere Wertschätzung in Form von Geld gerne unseren Mitmenschen zu geben, „faire Preise“ zu bezahlen, regionale Geldkreisläufe sowie nachhaltig agierende Unternehmen zu stärken. Eine nachhaltige Beziehung zu Geld ist eine bewusste Beziehung zu Geld - und den (wahren) Werten dahinter.

Sie sind im Vorstand von Geld mit Sinn! e.V., der sich für mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage stark macht. Was ist Ihr Grund für dieses Engagement?  

Ich will zu dem dringend benötigten Wandel in unseren Geldsystemen und unserem Umgang mit Geld beizutragen:  Wert schaffend und Sinn stiftend. Und das möglichst konkret und flächendeckend. Sodass viele Menschen erreicht werden und aktiv mitmachen und mitgestalten. Im Fokus stehen dabei Aufklärung und Bildung, das Schaffen von Perspektiven und vielfältiger Mitwirkungsmöglichkeiten sowie eine starke Vernetzung der in diesem Bereich aktiven und interessierten Menschen .

Trotz mehrerer Finanzkrisen messen wir immer noch unseren wirtschaftlichen Erfolg allein am finanziellen Profit. Das ist nicht nachhaltig, wenn die Kosten für Menschen und unsere Umwelt außer Acht gelassen werden. Nachhaltige Unternehmen brauchen nachhaltige Kapitalgeber - gleich, ob es sich um Bio-Landwirtschaft, ökologische Kraftwerke oder moderne Schulen handelt. In Deutschland fließt jedoch kaum ein Prozent des Anlagevermögens in nachhaltige Bereiche, während es in den Niederlanden beispielsweise schon 33 Prozent sind oder in Frankreich rund 40%. Für eine Investmentwende, müssen wir unsere Messkriterien erweitern und Gesetze und Anreize schaffen, die soziale und ökologische Nachhaltigkeit auch in der Geldanlage fördern.  Dafür haben wir eine Petition in die Wege geleitet. Und natürlich freuen wir uns generell über Interesse, Dabeisein und aktives Mitwirken.

Was wünschen Sie sich zum Thema Geld?

Dass wir auch im Umgang mit Geld unsere Wertschätzung und Verantwortung für gesunde nachhaltige Entwicklungen zeigen. Wir leben alle in dieser einen  Welt. Wir alle sind eingebunden in einen Kreislauf, in dem wir mitwirken. Solange wir auf die Politik, die Wirtschaftslage, die Unternehmen und alle sonstigen Sündenböcke schimpfen, tun wir eines nicht: selbst die Verantwortung tragen. Jetzt sind wir aufgefordert, mit unserem eigenen Handeln zu dem beizutragen, was wir uns für uns selbst wie auch - über unseren eigenen Tellerrand hinausgehend - für die Generationen nach uns wünschen.

Was ist uns unsere Gesundheit wert? Oder unsere gesunde Natur? Oder menschliche Leistung und faire Bezahlung wert? Was sind uns unsere Kinder und Nachkommen wert? Geld kann nur so viel Gutes bewirken, wie wir selbst zu bewirken vermögen. Es liegt also an uns, ob wir es in Rüstung investieren oder in Bildung, in Kriege oder Bäume usw.  Mit jeder Ausgabe treffen wir eine Wahl - wie mit einem Stimmzettel - und entscheiden uns für mehr davon. Dessen sollten wir uns bewusst sein und diesen Stimmzettel achtsam und weise einsetzen mit einem klaren „ja“ für Mensch und Umwelt. Nachhaltigkeit ist ja keine Modeerscheinung, sondern Ausdruck gelebter Überzeugung. Jetzt sind wir herausgefordert zu zeigen, wofür wir stehen. Wir alle zusammen. Schlussendlich geht nicht nur, um die Frage, was uns Nachhaltigkeit wert ist. Sondern vor allem darum: Wie sehr lieben wir? Uns selbst und das Leben? Denn was wir lieben bewahren wir.

Wofür steht symbolisch Ihre Handschrift? Was soll von ihr bleiben auf diesem Planeten?

Selbst ein gutes Vorbild zu sein. Ich möchte meinen Kindern vorleben, dass es sich lohnt sich positive Perspektiven zu schaffen, an der Entwicklung mitzuwirken und sich zu engagieren. Und das mit Freude. Für mich ist es wichtig mich nicht von übertriebenen Perfektionsansprüchen abhalten zu lassen, sondern mich auf das zu konzentrieren, was ich selbst gut und gerne beitragen kann. Wenn wir in guter Absicht und ehrlichen Herzens handeln, dann ist das stets mehr Wert, als jeden noch so guten Ansatz in Diskussionen Tod zu reden. Auch Fehltritte und Kurskorrekturen dürfen wir uns entspannt zugestehen - sie werden sich ohnehin nicht vermeiden lassen. Und wenn jeder seinen eigenen Beitrag freiwillig und gerne leistet, dann ist das in Summe: jede Menge! Jeder Schritt in die richtige Richtung zählt.