Martin Lutze

Martin Lutze, Jahrgang 1943, wurde als neuntes Kind einer Solinger Pfarrersfamilie geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Theologie und Geschichte in Bonn.  Aufgrund seiner ausgeprägten pädagogischen Begabung, aber auch unter dem Einfluss der Ideale  der 68er Jahre entschied er sich später für den Beruf des Hauptschullehrers, in dem er über 30 Jahre lang engagiert tätig war.
Neben dem Beruf spielte seine sechsköpfige Familie, sein ausgeprägtes Hobby als Keyboarder und Komponist  sowie die Arbeit an seinem vorwiegend selbstgebauten Haus eine wichtige Rolle. Im Zuge der Wohnungseinrichtung begann er mit dem Bau der einen oder anderen Leuchte, weil er Gefallen an Dingen hat, die nicht von der Stange kommen, sondern individuell und einmalig sind. Heute baut er Upcycling-Leuchten, macht Radtouren, beschäftigt sich mit seinen Kindern und Enkelkindern und repariert immer wieder Alltagsgegenstände.
Weitere Informationen: www.leuchtenlutze.de

 

Upcycling - Wie alles begann 

Es war in den Tagen vor Weihnachten 2009 und ich suchte nach Geschenken für meine Kinder. Zufällig hatte mir einer meiner Söhne im Sommer eine Boje vom Ammersee mitgebracht und gemeint: “Mach doch da mal ‘ne Lampe draus!“


Irgendwo lag noch ein Birkenholzrest herum und dann wurschtelte ich drauflos. Die ersten vier “Prototypen” wurden geboren.  Weihnachten war ein hübscher Erfolg und die Gesichter meiner Lieben strahlten ebenso wie meine Lichtüberraschungen.


Ich erkannte zunehmend, wie spannend es ist aus allen möglichen und unmöglichen Dingen etwas Neues zu erschaffen und so beschäftige ich mich bis heute mit dem Bau ausgefallener Lichtobjekte aus Abfall. Jedes Mal packt mich wieder die Neugier, wie das neue Projekt am Schluss wohl aussehen wird. Es ist oft ein kleines Abenteuer, wenn aus allen möglichen und unmöglichen Restmaterialien, Fundstücken, ausgemusterten Gegenständen und Gerätschaften einmalige Leuchten entstehen, von denen jede einzelne ihren ganz individuellen "Upcycling" Charakter ausstrahlt. Immer wieder bin ich mit Lichtblick auf Wertstoffhöfen, auf dem Schrottplatz, auf Flohmärkten oder Werkstätten unterwegs, erwecke manch scheinbar nutzlosen Gegenstand aus seinem Dornröschenschlaf und hauche  ihm neues Leben ein.

Meine Beschäftigung entstand aus der Freude an der Herstellung von nützlichen Dingen, die ich nicht neu kaufen muss und deren Bau meiner künstlerischen Ader Raum lassen. Den Begriff Upcycling lernte ich erst später kennen. Eigentlich setzten wir den Gedanken schon als Kinder in die Tat um, als aus Pappresten Bilderbücher und aus Nachkriegstrümmern Baumbuden oder Fahrzeuge für Seifenkistenrennen entstanden. In der Dritten Welt machen es Kinder bis heute so. Aus Mangel erwächst Kreativität. In den reichen Industrieländern  laufen wir dagegen Gefahr, dass aus dem Überfluss an Konsumangeboten Langeweile und Passivität entsteht. Auch aus diesem Grund hat die phantasievolle und zugleich sinnvolle Wiederverwertung  bzw. Aufwertung  von scheinbar nicht mehr nützlichen Materialien eine wichtige zukunftsprägende Bedeutung für uns alle.

Zum Thema Upcycling schreibt Christoff Wiethoff, Gründer und Geschäftsführer der nobrands GmbH, Berlin:

"Upcycling beschreibt einen Prozess, bei dem aus Müll und scheinbar wertlosen Abfallmaterialien mittels kreativem Prozess höherwertige Produkte entstehen. Damit steht Upcycling für Müllvermeidung, da Abfallmaterialien für die Schaffung neuer Produkte verwendet werden. Stoffreste, Altglas, Autoreifen, Altholz oder Blechdosenverschlüsse – alles wird verwendet. Upcycling transportiert somit eine klare Botschaft gegen die Wegwerfgesellschaft.
Auch wenn man es manchen Upcycling Produkten nicht ansieht, beim Upcycling geht es primär nicht darum, ein Kunstwerk zu schaffen, sondern um ästhetische Gebrauchsgegenstände.
Aus diesem Grunde sind Upcycling-Produkte hochwertig verarbeitet, denn es geht um Ästhetik und um Qualität. Zudem reflektieren Upcycling Produkte zwei wichtige Trends unserer Zeit: Umweltverantwortung und Individualität. Dadurch, dass Upcycling aus Altprodukten entsteht, sind alle Stücke Unikate. Somit sind sie einzigartig und unterstreichen die Individualität der Trägerin bzw. des Trägers.  Upcycling ist somit das Markenzeichen des 21. Jahrhunderts."

Das Märchen vom Rotkäppchen und dem Froschkönig

Es war einmal eine Klemmlampe mit rotem Käppchen. Auf dem Weg zur Wertstoffbörse wurde sie vom bösen Wolf angelabert. Ein alter Funzelbauer, der gerade des Weges kam, ging mutig dazwischen, rettete sie und nahm sie zu sich in sein Heim. Eines schönen Tages saß Rotkäppchen am Gartenbrunnen, als ein liebeshungriger Frosch auftauchte und mit ihr anbandelte. Nach einem übereilten Kuss verwandelte er sich zwar in einen Markisenhalter von königlichem Geschlecht, jedoch blieben ihm zwei Froschfüße, die aus einem profanen nordischen Möbelhaus stammten. Rotkäppchen fand sich nach einigem Getue damit ab und schlussendlich feierten die beiden eine glänzende Hochzeit auf Schloss Upcycling. In einer wunderschönen Sanitärrosette überreichte ihnen die gute Fee einen Schatz aus dem Inneren ihrer Festplatte. Davon können nun die beiden bis ans Ende ihrer Tage in Saus und Braus leben. Und wenn sie nicht gestorben sind, werden sie bestimmt irgendwann mal wieder up-gecycelt.

Quelle: www.leuchtenlutze.de

Stand: Mai 2014